Bestzeit auf Abwegen – 200 m in 21,60 Sekunden

Die doppelte oder halbe Strecke, je nachdem wie man’s nimmt. Mit zwei gleichen Hälften auf den 200 Metern und einer Verbesserung meiner etwa sieben Jahre alten Bestleistung war mein “blowout run” höchst erfolgreich.

Ungewohnt war es allemal. Ich startete auf Bahn 8 und konnte mich nach sieben Jahren, in denen ich kein einziges Mal über 200 m an den Start ging, nicht mehr daran erinnern, was mich erwartete. Es war mir zugleich egal und ich ballerte einfach voll drauf. Das funktionierte super, auch wenn es schwierig war, die Spannung aus der Kurve heraus aufrecht zu erhalten.

Da wir bei unserem Heimmeeting keine Anzeigetafel haben, verschwand mein Coach im Wettkampfbüro, um die Zeit zu erfahren. Leicht aufgebracht kam er wieder heraus und fragte mich nur “Are you crazy?”
“What’s going on? Did I do something wrong?”
“No, you just ran 21,6″

Na also, passt doch alles. Nun steht mein Zehnkampf vor der Tür und ich ziehe mit voller Bewaffnung in den Krieg. Es gibt nichts zu verlieren!

Zehnkampfeinstand erst im Mai

Nach einer aufreibenden, wenn auch verletzungsfreien Hallensaison und zwei Stadionwettkämpfen hat mein Körper “endlich” nach einer Pause gefragt. Letzte Woche bekam ich ein paar kleine Wehwehchen und mein Coach zog sofort die Handbremse, um die ansteigende Formkurve nicht zu unterbrechen. Demnach werde ich meinen ersten Zehnkampf erst im Mai bei den Big 12 Championships in Norman/Oklahoma bestreiten und nicht wie zunächst geplant diese Woche in Texas. Bis dahin stehen allerdings zwei bis drei Vorbereitungswettkämpfe an. Ich gehe davon aus, dass ich am Wochenende schon wieder in allen Disziplinen trainieren kann.

14,24 zum Zweiten

Meine Formkurve bleibt weiterhin steil ansteigend. Ich lief in Tempe/Arizona erneut sehr starke 14,24 s über 110 m Hürden. Auch dieses Rennen war sehr sauber, denn ich berührte keine einzige Hürde und hätte mir mit einer besseren Startphase problemlos eine neue Bestleistung erlaufen können.

Am Vormittag versuchte ich mich dreimal mit dem Diskus, aber das Problem war, dass ich die geforderte Mindestleistung von 40,0 m nicht übertraf, und deshalb keinen „gültigen“ Versuch hatte. Mein dritter Versuch war allerdings nur ein oder zwei Fußlängen von der 40er-Marke entfernt. In Amerika wird manchmal eine Mindestleistung in der Qualifikation festgelegt, unter der nicht gemessen wird (Würfe und Sprünge). Damit werden vom Veranstalter unnötig große Teilnehmerfelder vermieden.

Zum Schluss des Wettkampfs (ca. um 22:30 Uhr) lief ich als Schlussläufer in unserer 4×400 m Staffel. Wir kamen nach 3:18,5 Minuten ins Ziel. Ich lief eine heraus gestoppte Zwischenzeit von ca. 49,5 Sekunden. Ich wollte gerne 49,0 oder schneller laufen, aber das hat leider nicht ganz geklappt. Trotzdem war der Wettkampf eine gute Vorbereitung auf meinen ersten Zehnkampf in anderthalb Wochen in Texas.

 

Ende des Springbreak-Trips in Arizona

Der Springbreak-Trip unseres Leichtathletikteams endet beim Arizona State Invitational im sonnigen Tempe (bei Phoenix). Nach zwei Trainingseinheiten im Stadion der Arizona State Sundevils werde ich beim Invitational einen Dreikampf aus 110 m Hürden, Diskus und als Schlussläufer der 4×400 m Staffel bestreiten.

In meinem Freshman-Jahr war ich schon einmal beim ASU Invitational am Start und daher wird sich der Kreis in diesem Jahr schließen. Der Wettkampf, der auch vom Olympiasieger ’96, Dan O’Brien, mitorganisiert wird, ist mit Athleten wie Jeremy Wariner und Wallace Spearmon hochklassig besetzt.

Also, nehmt euch ‘ne Packung Chips oder Popcorn mit und kommt nach Tempe zum Anfeuern!

Eröffnung der Stadionsaison in San Diego

In der NCAA fängt die Stadionsaison gewöhnlicher Weise schon am Wochenende nach der NCAA Indoor Championship an. Es gibt kein Intermezzo, um ans Mittelmeer oder in irgendwelche hochgezogenen Trainingsstätten zu fahren. Da wir doch irgendeine Art von Trainingscamp haben wollten, flogen wir letzten Donnerstag nach San Diego/Kalifornien. Hier in einer der schönsten Städte Amerikas sieht es doch etwas anders aus als im Mittleren Westen ringsum Manhattan/Kansas.

Aber wir sind ja wegen eines Wettkampfs hier. Meine Formkurve ist im Moment schwer ansteigend und diesen Schwung wollte ich gleich mal auf der Hürdenstrecke ausnutzen. Ich war mir zwar nicht sicher, ob das eine gute Idee war, aber notfalls konnte man’s einfach als Training abstempeln. Ich änderte mein Aufwärmprogramm ein bisschen, um mich noch spezieller auf die Hürden vorzubereiten und trotzdem ging ich die Geschichte ziemlich locker an.

Ich trommelte die 10 Hürden in 14,24 Sekunden herunter, die zweitbeste Zeit in meiner Karriere. So kann man doch mal anfangen. Anschließend ging es in den schönsten Zoo der Welt und morgen nach dem Training zum Strand.

Schöne Grüße nach Deutschland!

Zehnter bei besten NCAA’s aller Zeiten

Bei der am härtesten umkämpften NCAA Championship aller Zeiten bin ich im Hallensiebenkampf mit 5722 Punkten Zehnter geworden. Mein Teamkollege, Mantas Silkauskas, belegte mit 5822 Punkten und einem neuen Kansas State-Rekord den siebten Rang. Miller Moss (Clemson) gewann erwartungsgemäß und verpasste die 6000-Punkte-Marke nur knapp.

Es fing ganz gut an als ich mit 7,17 Sekunden über 60 Meter einstieg. Das ist meine zweitbeste Zeit in meiner Karriere. Allerdings war ich mit dem Verlauf des Rennens nicht zufrieden, da ich als Erster aus den Blöcken kam, jedoch nach ein paar Schritten verkrampfte und nach halber Strecke hinterher lief. Im Weitsprung musste ich etwas gutmachen, da ich in der Weitsprunggrube zwei Wochen zuvor einige Punkte liegen ließ. Das gelang mir nur teilweise. Mit 6,90 m sprang ich zwar weiter, aber ich bin damit immer noch nicht da, wo ich sein will bzw. sollte. Die Suche nach dem richtigen Anlauf geht also weiter. Mit der Kugel schrammte ich nur knapp an der 14-m-Marke vorbei. 13,93 m waren gut genug, um mich im vorderen Mittelfeld zu bewegen. Es ging also zur letzten Disziplin des Tages, Hochsprung. Nachdem ich bei der Big 12 Championship die magische Marke von zwei Metern überflog, wollte ich das natürlich gerne bestätigen. Es stellte sich erneut heraus, dass der Hochsprung die große “Unbekannte” ist. Mit sicheren 1,93 m belegte ich nach dem ersten Tag Platz 12.

Der zweite Tag war im Vergleich mit dem der Big 12 Championship fast identisch. Ich meisterte fünf Hürden in 8,21 Sekunden, überquerte 4,70 m mit dem Stab und lief den Kilometer in lockeren 2:38,01 Minuten. Meine Endpunktzahl von 5722 bedeutet nun der zweite Rang in der deutschen Bestenliste.

Mein Körper hat auch den dritten Siebenkampf des Jahres problemlos überstanden. Nach der Hallensaison geht es nahtlos in die Stadionsaison über. In der Küstenstadt San Diego und im sonnigen Phoenix werde ich ein paar Wettkämpfe bestreiten, um meine ansteigende Form ins Stadion mitzunehmen.

Mit zwei Metern im Gepäck nach Texas

5698 Punkte. Über die Fragen, was denn los gewesen sei und warum ich nur so wenige Punkte gemacht habe, kann ich nur schmunzeln. Warum es “nur” 5698 Punkte waren, ist sehr leicht zu erklären: Ich bin 6,60 m im “Weit”-Sprung gesprungen. Besser gesagt bin ich zur Sandgrube gejoggt und dann reingehopst.

Aber jetzt zu der interessanteren Frage: Wie habe ich mit einem 6,60-m-Weitsprung noch 5698 Punkte gemacht? Die Antwort: Ich bin gut drauf und ich habe es auch gezeigt. Ich sprang zum ersten Mal in meinem Leben über 2,00 Meter im Hochsprung – und das im ersten Versuch! Ich feuerte mit 14,23 m im Kugelstoßen die drittbeste Leistung meines Lebens in den Sektor. Ich lief 8,20 s über 60 m Hürden, meisterte 4,70 m mit dem Stab und lief zum x-ten Mal die 1000 unter 2:40 Minuten! Ich glaube es sind jetzt sieben oder acht 1000er, aber  ich zähle nicht mehr mit. Es ist für mich zur Selbstverständlichkeit geworden, dass ich schnell laufen kann, wenn ich will oder muss. Ich musste also eine Zeit um 2:41 min anbieten, um die automatische Quali für die NCAA Championship zu übertreffen und ich wollte schnell laufen.

Alle meine Leistungen waren nicht mehr als 40 Punkte von meiner Bestleistung in jeder Disziplin entfernt – ausgenommen Weitsprung, da sind’s nämlich 168 Punkte Unterschied zur Bestleistung. Das hat mich dann auch im Endeffekt den Big 12 Titel gekostet, aber den wollte ich gar nicht haben. Mir ging es einzig und allein darum, dass ich mein Ticket nach Texas klar machte. Mission erfüllt!

 

Big XII Indoor Championships – Die Mission

Meine letzten Big 12 Indoor Championships stehen vor der Tür. Zum vierten Mal streife ich das Trikot der Kansas State Wildcats über, um bei den Konferenzmeisterschaften um den Titel zu kämpfen. In meinem Freshman-Jahr war ich auf Anhieb Zweiter und im darauffolgenden Jahr gewann ich den Titel, was meine bisher erfolgreichste Saison einleitete. Im letzten Jahr bremsten mich ein paar Verletzungen aus und ich konnte das Duell im Siebenkampf gegen meinen Zehnkampffreund Nick Adcock nicht für mich entscheiden. In diesem Jahr sind die gefährlichsten Mitstreiter allesamt aus Europa, allen voran mein litauer Teamkollege, Mantas Silkauskas, der in diesem Jahr vor allem mit seinem Uni-Rekord über 60 m Hürden in 7,74 Sekunden überraschte. Zwei andere Zehnkämpfer, auf die man ein Auge haben muss, sind Bjorn Barrefors (University of Nebraska, Schweden) und Lars Rise (University of Missouri, Norwegen).

Am Freitag geht’s in Lincoln/Nebraska los und und für mich geht es einzig und allein nur um die Qualifikation für die NCAA Championships zwei Wochen später in Texas. Im Moment brauche ich ungefähr 5600 Punkte, um mich zu qualifizieren. Auf geht’s…

Goodbye Facebook

Es schwirren zu viele Dinge in meiner Umlaufbahn umher und ich kann leider nicht allen Leuten jeden Tag “hallo” sagen, nicht alle scheinbaren Neuigkeiten aufsaugen und nicht auf alles reagieren, was mir in die Quere kommt. Am 2. Januar 2011 stieg meine Freundesliste im größten Online-Netzwerk, Facebook, auf 1002 Leute an. 1002 Menschen, die mich kennen, gerne mit mir virtuell befreundet sein wollen oder einfach nur mal auf “hinzufügen” geklickt haben, weil ich mit 25 ihrer Freunde befreundet bin. Bei eintausend Personen fragt man sich schon ab und zu, ob das alles noch überschaubar ist. Um das Ganze etwas auszudünnen, wurde ich in der darauffolgenden Woche über 300 “Freunde” los, also Leute, die ich nun wirklich nicht kenne oder mit denen ich einfach nichts zu tun haben will. Das waren leider viele Fans, aber ich glaube, dass es nicht die richtige Plattform ist, um eine gesunde Kommunikation zwischen Fan und Athlet herzustellen. Unter diesen 300 waren auch Leute, die ich vielleicht nur einmal gesehen habe und dann wurde man eben kurz hinzugefügt oder man fügt jemanden selber zu seiner Freundesliste hinzu. Wer’s kennt, weiß von was ich spreche.

Wer’s nicht kennt: Facebook ist mit über 600 Millionen Benutzern das absolut größte Netzwerk der Welt. Man findet eine Menge Leute, die man kennt, kannte oder eben noch nie gekannt hat. Dazu kommen dann noch Bilder und Videos, Verlinkungen und Querverweise, Neuigkeiten von Stars und Sternchen, welches neue Auto gerade wie schnell gefahren ist, wer heute wo protestiert, warum, weshalb, wieso. Die Liste der Möglichkeiten scheint, endlos zu sein, und als PR Student ist es natürlich umso spannender, Facebook in einem größeren sozialen und kommunikationstechnischen Zusammenhang zu erfassen.

Doch es wurde zu viel. Beim Löschen von Leuten in meiner Freundesliste fiel mir auf, dass ich tatsächlich alle der 700 Leute kenne, die ich zum Schluss noch in der Liste hatte und dabei hatte ich ja schon ein paar gelöscht, die ich zwar kenne, mit denen ich aber nichts zu tun haben will. Siebenhundert – die ältere, nicht-Facebook-nutzende Generation ist in dieser Zahl noch gar nicht eingerechnet. Dabei bin ich mir sicher, dass mein Opa, falls er noch leben würde, auch auf Facebook gestoßen wäre und wir hätten uns virtuell als Familienmitglieder gegenseitig hinzufügen können. Wunderbar. Als ich im Laufe der letzten vier Jahre meine Freundesliste in Gruppen untergliederte, wurde es zwar übersichtlicher, aber es war immer noch relativ nervig. Ich hatte dann die Gruppen “Zehnkampf, PR, Wildcats (für K-Stater), DLV, Neuburg, Fans” und “sonstige”, um dann Gruppen vereinzelt im online-Chat ausschalten zu können. Wer sich jetzt in einer Gruppe wieder findet, dem kann ich sagen, dass “DLV, Fans und sonstige” so gut wie nie online waren :-) Too bad.

Gestern habe ich dann während der Analyse meines letzten Wettkampfs den finalen Schlussstrich gezogen und Facebook und 700 Freunden “tschüss” gesagt. Damit verliere ich zwar etwas an Aktualität und Informationen, aber gewinne meine Zeit zurück und lasse von jetzt an all die anderen 599.999.999 Facebook-Mitglieder die tägliche Verwirrung im Internet entwirren. Viel Spaß!

Mit angezogener Handbremse fährt man nicht schnell! Siebenkampf Nr.1

Wer’s nicht kennen sollte – wenn man losfährt und die Handbremse noch gezogen ist, quietscht es recht laut und man wundert sich, warum es nicht wirklich vorwärts geht. Das beschreibt mein Gefühl am Wochenende ziemlich gut.

Bei meinem ersten Siebenkampf ging es nie wirklich los, zumindest nicht bei mir. Es quietschte zwar und der Motor jaulte auch kurz, aber ich saß einfach fest. Ich hechelte 7,28 Sekunden 60 Meter auf der Bahn entlang und kam im Weitsprung nicht über 6,69 m hinaus (!?!?!?). Zu diesem Zeitpunkt bemerkte ich, dass die Handbremse noch gezogen war. Jedoch konnte ich den Knopf zum Lösen nicht finden. Im Kugelstoßen, meiner Lieblingsdisziplin (neben dem Zehnkampf selbst), lief’s dann auch nicht. Ich stieß nur 13,43 m - weniger als in einem schlechten Training. Im Hochsprung lief’s OK, aber nicht zu berauschend. Ich sprang 1,89 m im ersten Versuch und scheiterte nur knapp an 1,92 m.

Der zweite Tag fing dann mit einem blitzsauberen Hürdenlauf an, nur war auch der mit 8,33 Sekunden etwas langsam. Im Stabhochsprung gelang mir dann ein Sprung über 4,55 Meter, aber bei 4,65 zog ich wieder an der Bremse. Zum Abschluss lief 2:42,68 Minuten, was ich zum Glück auch mit abgebrochenem Gaspedal locker schaffe. Insgesamt kamen bescheidene 5443 Punkte und ein dritter Platz heraus. Gray Horn (University of Florida) gewann vor Michael Ayers (Georgia).

Warum rollt der Moritz im Moment nicht? Das ist eine gute Frage. Und wenn man Coach Roveltos Antwort anhört, dann liegt es ganz einfach daran, dass ich die Geschwindigkeitseinheiten im Dezember und Anfang Januar verpasste, dieser Wettkampf mein erster (!) Hochsprung- und Weitsprung des Jahres überhaupt war (also auch nicht im Training gesprungen) und ich einfach zu viele Sachen im Kopf umherschwirren habe… Dafür den morgigen Beitrag lesen!

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