Es war nicht das erste Mal, dass es im Einspringen zum Stabhochsprung einfach nicht klappen wollte, und dann “zack” klappt’s doch auf Anhieb beim ersten Versuch im Wettkampf. Da stellt sich mir die Frage, ob das ganze Rumgezappel vor Wettkampfbeginn total unnötig ist? Reichen nicht einfach ein oder zwei Anlaufkontrollen? Seine Tagesform kann man selbst eh nicht mehr ändern. Nach dem Ausschalten des Weckers hat man nur noch auf psychologische Aspekte des Wettkampfes Einfluss! Und selbst die sollte man besser in der Vorbereitungsphase, Wochen vor dem Wettkampf, trainieren. Videos, autogenes Training, wenn’s hilft auch Meditation… Falls die Psyche nur ein Quäntchen im Endergebnis ausmachen sollte, dann kann das immerhin den Unterschied zwischen 7999 oder 8000 Punkten ausmachen – und da liegt ‘ne verdammt große Welt dazwischen!
Wie dem auch sei, im Einspringen hatte ich das Gefühl, beim Absprung im Einstichkasten zu versinken, Absprung gleich Null, Arme tot. Was ist los? Ich bin doch fit, der Anlauf stimmt!? Und gerade als ich meinen letzten Anlauf im Einspringen absolvieren wollte, schließt der Kampfrichter einfach die Anlage? Ist der denn doof? Will der mich veräppeln?
“Cleve? Entry height?”
“Ahhh… let’s try 4,30, I should do that, sure thing!
Erster Versuch, Anlauf, Einstich, drüber! Warum zappel ich vorher so rum und verbrauche wertvolle Energie für Großtaten? Im Eigengespräch vor jedem Versuch gab ich mir selbst nur die Worte “Rhythm, rhythm!” Rhythmus – die Quintessenz jeder technischen Disziplin. Die Milch im Shake, die Kartoffeln im Brei, das Rühr im Ei (hmm… nicht ganz). 4,45 m, erster Versuch, drüber. 4,60 m, im ersten wiedermal nachgedacht, Fehler! Zweiter, Rhythmus, drüber. Bei 4,75 m hielt mich dann mein Trainingsrückstand des vergangenen Dezembers auf dem Boden der Tatsachen, auch wenn diese 15 Fuß und 7 Zoll nicht unmöglich waren. Trotzdem, mit 4,60 m kann ich für den ersten Stabwettkampf leben! Da sind noch einige technische Möglichkeiten, sowie zwei zusätzliche Schritte im Anlauf und zwei bis drei härtere Stäbe drin!
Eine knappe Stunde später ging’s über die Hürden. Die Zeit hab ich mit etwas Ausruhen und einem halben Powerbar-Schoko-Müsli-Eiweiß-Energieriegel sinnvoll nutzen können. Noch kurz 20 Minuten speziell aufwärmen und dann über fünf Hürden rennen. Ich verbesserte meine Saisonbestleistung von 8,27 s auf 8,24 s, nicht viel, aber immerhin verbessert, oder? Während ich auf Bahn 3 augenscheinlich dem Ziel entgegenhürdelte, stürme neben mir auf der vierten Bahn mein Teamkollege, Mantas Silkauskas in 7,80 Sekunden zu einem neuen K-State-Rekord! Congratulations!
Zum Abschluss, eine weitere Stunde später, lief ich mit drei anderen Kansas State Wildkatzen und einem Staffelholz aus Aluminium um die Bahn, um eine bisschen Spaß in der 4×400-m-Staffel zu haben! Schweigen wir an dieser Stelle gemeinsam über die Zeit und verraten nur, dass wir gewonnen haben. Zum Sonntag gab’s ein paar 100er auf dem Trainingsplan, um die Milch-säure aus den Beinen zu laufen.
Hoffentlich seid ihr auf das nächste Wochenende genauso gespannt wie ich, denn da geht’s richtig ab!