Einziger Hallenwettkampf der Saison erfolgreich bestritten

Manhattan/KS. Bei meinem einzigen Hallenwettkampf der Saison 2012 am 17. Februar bin ich zweimal (eigentlich dreimal) ganz knapp an zwei Bestleistungen herangekommen. Über die 60 m Hürden lief ich im Vorlauf 8,13 Sekunden und ließ im Endlauf 8,16 Sekunden folgen. Beide Zeiten kamen unglaublich nah an meine Bestleistung aus dem Jahre 2008, die immer noch bei 8,11 Sekunden liegt! Anschließend tauschte ich die Hürden gegen die Kugel ein und beförderte das Gerät auf 14,18 Meter, was nur 30 cm unter meiner Bestleistung des letzten Jahres liegt. Im letzten von fünf wahrgenommenen Versuchen kam ich noch einmal auf 14,10 m.

Um mich möglichst optimal auf die Olympiasaison vorzubereiten, war es von vornherein geplant, nur diesen einen Wettkampf in der Halle zu machen. Das Trikot des TV Wattenscheid verschwindet für die nächsten Wochen wieder im Schrank, denn das Training ist wieder total auf Aufbau umgestellt und ich plane meine ersten Testwettkämpfe der Stadionsaison erst für Ende März.

7838 Punkte beim letzten Wettkampf für Kansas State

Ich habe am letzten Wochenende bei der NCAA Championship in Des Moines/Iowa meinen letzten Wettkampf für die Kansas State University bestritten und bin im stärksten Zehnkampffeld der NCAA-Geschichte mit 7838 Punkten Achter geworden.

100 m in 10,94 Sekunden

Der Wettkampf hatte nicht nur leistungsmäßig alles zu bieten, sondern auch vom Wetter her gab es einige Überraschungen. So fing der erste Wettkampftag bei über 35 Grad im Schatten an und hörte im Regen auf. Die 110 m Hürden starteten am zweiten Tag wegen anhaltender Gewitter nach mehr als zwei Stunden Verspätung an. Laut NCAA-Regel muss ein Sportwettkampf unterbrochen werden, falls ein Gewitter im Umkreis von circa fünf Meilen herrscht. Das gilt auch für alle anderen Sportarten der NCAA (z. B. Football oder Baseball). Das Einzigartige an diesem Zehnkampf war, dass er nicht zwei, sondern drei Tage dauerte. Der Speerwurf wurde um etwa 20.30 Uhr unterbrochen und alle Athleten wurden zurück in die Aufwärmhalle geschickt, um dort vor dem Wetter geschützt zu bleiben. Um 22.30 brach die Wettkampforganisation alle Bewerbe an jenem Tag ab, um sie am nächsten Morgen nachzuholen. Laut internationaler Regelung gilt der Zehnkampf nicht für internationale Bestenlisten oder Qualifikationsmarken, da ein Zehnkampf an zwei aufeinanderfolgenden Kalendertagen stattfinden muss.

Wenn Wildcats fauchen...

Jetzt aber zum Sportlichen. Ich liebe heißes Wetter und so gelang mir gleich zu Beginn über 100 m mit 10,94 Sekunden eine schnelle Zeit. In der zweiten Disziplin, dem Weitsprung, patzte ich ein wenig und kam nicht über 6,78 m (Bestleistung 7,31 m) hinaus. Das kostete mich schon früh einige Punkte gegenüber meinen Mitstreitern. Ich konterte im Kugelstoßen mit neuer Stadionbestleistung von 14,41 m – die zweitbeste Weite meiner Karriere. Im Hochsprung überquerte ich 1,90 m ohne Probleme, scheiterte aber dreimal an der nächsten Höhe von 1,93 m. Das war das Minimalziel für die vierte Disziplin, womit ich allerdings nicht zufrieden war, zumal meine Konkurrenz im Bereich von 2,00 Metern sprang. Die Stadionrunde schließt wie immer den ersten Tag ab und ich legte die 400 Meter in starken 48,41 Sekunden zurück – nur zwei Hundertstel über meiner Bestleistung. Nach dem ersten Tag lag ich mit 3992 Punkten auf Platz 14, wobei ich einen soliden zweiten Tag anbieten kann. Das Ziel von 7900 Punkten, das ich mir vor dem Wettkampf gesteckt hatte, war noch durchaus erreichbar.

14,55 s im Regen und bei Gegenwind

Es regnete in Strömen und Gewitter verzögerten den Start des zweiten Tages enorm. Alle Zehnkämpfer versuchten, sich über drei Stunden hinweg in der Aufwärmhalle warm zu halten. Als es dann endlich keine Blitzeinschläge im näheren Umkreis mehr gab, wurden wir auf die Bahn geschickt. Ich lief auf nasser Bahn 14,55 Sekunden in einen leichten Gegenwind hinein. Die Zeit ist Akzeptabel, wenn man bedenkt, dass ich dabei fünf oder sechs Hürden umlegte. Ich ließ mit 41,78 m eine neue Bestleistung im Diskuswerfen folgen und schob mich auf Platz neun vor. Im Stabhochsprung setzte ich die Stabilität, die ich schon in der Hallensaison hatte, fort und meisterte 4,70 m mit Luft nach oben. Der Speerwurfwettkampf fing um 20 Uhr an und wurde eine halbe Stunde später wegen eines Gewitters unterbrochen. Ich warf das Gerät im ersten Versuch auf knappe 56 Meter, was schon eine neue Saisonbestleistung bedeutete. Athleten, Trainer und Kampfrichter verbrachten die nächsten beiden Stunden in der Aufwärmhalle, die sonst für Basketball und Volleyball genutzt wird. Um 22.30 kam dann die Durchsage, dass alle Wettkämpfe für jenen Tag abgebrochen wurden und am nächsten Tag fortgesetzt werden.

Nach einem Abendessen, das aus Chicken Wings und Pommes bestand, weil nichts anderes mehr aufzutreiben war, bekam ich noch eine Massage und ging schließlich um 1 Uhr nachts ins Bett, um dann um halb acht wieder aufzustehen. Der Speerwurf wurde um 10.30 Uhr vormittags fortgesetzt. Ich verbesserte meine Weite vom Vortag im zweiten Versuch um elf Zentimeter auf 56,09 m. Eine Stunde später liefen wir die abschließenden 1500 m, die ich total erschöpft und übermüdet in 4:30,46 Minuten herunter spulte.

In drei Wochen werde ich nach Deutschland kommen, um am 16. und 17. Juli in Ratingen beim jährlichen Mehrkampfmeeting an den Start zu gehen. Dort peile ich die 8000-Punkte-Marke an, die ich mit besseren Sprungleistungen sehr wahrscheinlich knacken kann.

1500 m bleiben 1500 m - auch am dritten Tag!

Update: Big 12 und NCAA West Regionals

Ich habe mein Frühjahrssemester erfolgreich abgeschlossen, auch wenn es in der finalen Phase wie immer sehr anstrengend wurde, vor allem mein Japanisch 4 Kurs, der zum Schluss 7 Prüfungen innerhalb zwei Wochen verlangte!!!

Nun zum Sportlichen. Mitte Mai bestritt ich meinen ersten Zehnkampf bei meiner letzten Big 12 Championship in Norman im Bundesstaat Oklahoma, wo es wie in Kansas viel Wind und Tornados gibt. Ich schnitt mit mageren 7543 Punkten ab, konnte mich aber dennoch damit direkt für die NCAA Championship im Juni qualifizieren, denn 7500 war die geforderte Norm.

Genau eine Woche später sind wir dann nach Eugene/Oregon geflogen, dem “Track Town USA”, wo Nike richtig viel Kohle reinballert, damit die Uni ein super Stadion hat und auch einmal im Jahr das Prefontaine Classic stattfindet. Meine Aufgabe war, dort bei den NCAA West Regional Preliminaries (so zu sagen dem Vorkampf der NCAA Championship) Hürden zu laufen. Oregon hat eine superhohe Selbstmordrate, was zum Teil auch an dem andauernd schlechten Wetter liegt. Letzteres hat sich auch bei diesem Wettkampf bestätigt. Ich lief trotzdem fast eine neue Bestzeit durch den Regen hindurch und bei einem Meter Gegenwind: 14,27 Sekunden. Leider war das nicht genug, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren… Deshalb durfte ich am nächsten Morgen um 9 Uhr auf dem Platz stehen und ein Tempoprogramm machen, anstelle das Aufwärmen für 110 m Hürden.

Wir sind mit knappen 20 Leuten nach Eugene geflogen, davon sind 11 Leute übrig geblieben, die sich für die NCAA Championship in Des Moines/Iowa qualifizierten. Auf nach Iowa!

Bestzeit auf Abwegen – 200 m in 21,60 Sekunden

Die doppelte oder halbe Strecke, je nachdem wie man’s nimmt. Mit zwei gleichen Hälften auf den 200 Metern und einer Verbesserung meiner etwa sieben Jahre alten Bestleistung war mein “blowout run” höchst erfolgreich.

Ungewohnt war es allemal. Ich startete auf Bahn 8 und konnte mich nach sieben Jahren, in denen ich kein einziges Mal über 200 m an den Start ging, nicht mehr daran erinnern, was mich erwartete. Es war mir zugleich egal und ich ballerte einfach voll drauf. Das funktionierte super, auch wenn es schwierig war, die Spannung aus der Kurve heraus aufrecht zu erhalten.

Da wir bei unserem Heimmeeting keine Anzeigetafel haben, verschwand mein Coach im Wettkampfbüro, um die Zeit zu erfahren. Leicht aufgebracht kam er wieder heraus und fragte mich nur “Are you crazy?”
“What’s going on? Did I do something wrong?”
“No, you just ran 21,6″

Na also, passt doch alles. Nun steht mein Zehnkampf vor der Tür und ich ziehe mit voller Bewaffnung in den Krieg. Es gibt nichts zu verlieren!

14,24 zum Zweiten

Meine Formkurve bleibt weiterhin steil ansteigend. Ich lief in Tempe/Arizona erneut sehr starke 14,24 s über 110 m Hürden. Auch dieses Rennen war sehr sauber, denn ich berührte keine einzige Hürde und hätte mir mit einer besseren Startphase problemlos eine neue Bestleistung erlaufen können.

Am Vormittag versuchte ich mich dreimal mit dem Diskus, aber das Problem war, dass ich die geforderte Mindestleistung von 40,0 m nicht übertraf, und deshalb keinen „gültigen“ Versuch hatte. Mein dritter Versuch war allerdings nur ein oder zwei Fußlängen von der 40er-Marke entfernt. In Amerika wird manchmal eine Mindestleistung in der Qualifikation festgelegt, unter der nicht gemessen wird (Würfe und Sprünge). Damit werden vom Veranstalter unnötig große Teilnehmerfelder vermieden.

Zum Schluss des Wettkampfs (ca. um 22:30 Uhr) lief ich als Schlussläufer in unserer 4×400 m Staffel. Wir kamen nach 3:18,5 Minuten ins Ziel. Ich lief eine heraus gestoppte Zwischenzeit von ca. 49,5 Sekunden. Ich wollte gerne 49,0 oder schneller laufen, aber das hat leider nicht ganz geklappt. Trotzdem war der Wettkampf eine gute Vorbereitung auf meinen ersten Zehnkampf in anderthalb Wochen in Texas.

 

Eröffnung der Stadionsaison in San Diego

In der NCAA fängt die Stadionsaison gewöhnlicher Weise schon am Wochenende nach der NCAA Indoor Championship an. Es gibt kein Intermezzo, um ans Mittelmeer oder in irgendwelche hochgezogenen Trainingsstätten zu fahren. Da wir doch irgendeine Art von Trainingscamp haben wollten, flogen wir letzten Donnerstag nach San Diego/Kalifornien. Hier in einer der schönsten Städte Amerikas sieht es doch etwas anders aus als im Mittleren Westen ringsum Manhattan/Kansas.

Aber wir sind ja wegen eines Wettkampfs hier. Meine Formkurve ist im Moment schwer ansteigend und diesen Schwung wollte ich gleich mal auf der Hürdenstrecke ausnutzen. Ich war mir zwar nicht sicher, ob das eine gute Idee war, aber notfalls konnte man’s einfach als Training abstempeln. Ich änderte mein Aufwärmprogramm ein bisschen, um mich noch spezieller auf die Hürden vorzubereiten und trotzdem ging ich die Geschichte ziemlich locker an.

Ich trommelte die 10 Hürden in 14,24 Sekunden herunter, die zweitbeste Zeit in meiner Karriere. So kann man doch mal anfangen. Anschließend ging es in den schönsten Zoo der Welt und morgen nach dem Training zum Strand.

Schöne Grüße nach Deutschland!

Zehnter bei besten NCAA’s aller Zeiten

Bei der am härtesten umkämpften NCAA Championship aller Zeiten bin ich im Hallensiebenkampf mit 5722 Punkten Zehnter geworden. Mein Teamkollege, Mantas Silkauskas, belegte mit 5822 Punkten und einem neuen Kansas State-Rekord den siebten Rang. Miller Moss (Clemson) gewann erwartungsgemäß und verpasste die 6000-Punkte-Marke nur knapp.

Es fing ganz gut an als ich mit 7,17 Sekunden über 60 Meter einstieg. Das ist meine zweitbeste Zeit in meiner Karriere. Allerdings war ich mit dem Verlauf des Rennens nicht zufrieden, da ich als Erster aus den Blöcken kam, jedoch nach ein paar Schritten verkrampfte und nach halber Strecke hinterher lief. Im Weitsprung musste ich etwas gutmachen, da ich in der Weitsprunggrube zwei Wochen zuvor einige Punkte liegen ließ. Das gelang mir nur teilweise. Mit 6,90 m sprang ich zwar weiter, aber ich bin damit immer noch nicht da, wo ich sein will bzw. sollte. Die Suche nach dem richtigen Anlauf geht also weiter. Mit der Kugel schrammte ich nur knapp an der 14-m-Marke vorbei. 13,93 m waren gut genug, um mich im vorderen Mittelfeld zu bewegen. Es ging also zur letzten Disziplin des Tages, Hochsprung. Nachdem ich bei der Big 12 Championship die magische Marke von zwei Metern überflog, wollte ich das natürlich gerne bestätigen. Es stellte sich erneut heraus, dass der Hochsprung die große “Unbekannte” ist. Mit sicheren 1,93 m belegte ich nach dem ersten Tag Platz 12.

Der zweite Tag war im Vergleich mit dem der Big 12 Championship fast identisch. Ich meisterte fünf Hürden in 8,21 Sekunden, überquerte 4,70 m mit dem Stab und lief den Kilometer in lockeren 2:38,01 Minuten. Meine Endpunktzahl von 5722 bedeutet nun der zweite Rang in der deutschen Bestenliste.

Mein Körper hat auch den dritten Siebenkampf des Jahres problemlos überstanden. Nach der Hallensaison geht es nahtlos in die Stadionsaison über. In der Küstenstadt San Diego und im sonnigen Phoenix werde ich ein paar Wettkämpfe bestreiten, um meine ansteigende Form ins Stadion mitzunehmen.

Mit zwei Metern im Gepäck nach Texas

5698 Punkte. Über die Fragen, was denn los gewesen sei und warum ich nur so wenige Punkte gemacht habe, kann ich nur schmunzeln. Warum es “nur” 5698 Punkte waren, ist sehr leicht zu erklären: Ich bin 6,60 m im “Weit”-Sprung gesprungen. Besser gesagt bin ich zur Sandgrube gejoggt und dann reingehopst.

Aber jetzt zu der interessanteren Frage: Wie habe ich mit einem 6,60-m-Weitsprung noch 5698 Punkte gemacht? Die Antwort: Ich bin gut drauf und ich habe es auch gezeigt. Ich sprang zum ersten Mal in meinem Leben über 2,00 Meter im Hochsprung – und das im ersten Versuch! Ich feuerte mit 14,23 m im Kugelstoßen die drittbeste Leistung meines Lebens in den Sektor. Ich lief 8,20 s über 60 m Hürden, meisterte 4,70 m mit dem Stab und lief zum x-ten Mal die 1000 unter 2:40 Minuten! Ich glaube es sind jetzt sieben oder acht 1000er, aber  ich zähle nicht mehr mit. Es ist für mich zur Selbstverständlichkeit geworden, dass ich schnell laufen kann, wenn ich will oder muss. Ich musste also eine Zeit um 2:41 min anbieten, um die automatische Quali für die NCAA Championship zu übertreffen und ich wollte schnell laufen.

Alle meine Leistungen waren nicht mehr als 40 Punkte von meiner Bestleistung in jeder Disziplin entfernt – ausgenommen Weitsprung, da sind’s nämlich 168 Punkte Unterschied zur Bestleistung. Das hat mich dann auch im Endeffekt den Big 12 Titel gekostet, aber den wollte ich gar nicht haben. Mir ging es einzig und allein darum, dass ich mein Ticket nach Texas klar machte. Mission erfüllt!

 

Mit angezogener Handbremse fährt man nicht schnell! Siebenkampf Nr.1

Wer’s nicht kennen sollte – wenn man losfährt und die Handbremse noch gezogen ist, quietscht es recht laut und man wundert sich, warum es nicht wirklich vorwärts geht. Das beschreibt mein Gefühl am Wochenende ziemlich gut.

Bei meinem ersten Siebenkampf ging es nie wirklich los, zumindest nicht bei mir. Es quietschte zwar und der Motor jaulte auch kurz, aber ich saß einfach fest. Ich hechelte 7,28 Sekunden 60 Meter auf der Bahn entlang und kam im Weitsprung nicht über 6,69 m hinaus (!?!?!?). Zu diesem Zeitpunkt bemerkte ich, dass die Handbremse noch gezogen war. Jedoch konnte ich den Knopf zum Lösen nicht finden. Im Kugelstoßen, meiner Lieblingsdisziplin (neben dem Zehnkampf selbst), lief’s dann auch nicht. Ich stieß nur 13,43 m - weniger als in einem schlechten Training. Im Hochsprung lief’s OK, aber nicht zu berauschend. Ich sprang 1,89 m im ersten Versuch und scheiterte nur knapp an 1,92 m.

Der zweite Tag fing dann mit einem blitzsauberen Hürdenlauf an, nur war auch der mit 8,33 Sekunden etwas langsam. Im Stabhochsprung gelang mir dann ein Sprung über 4,55 Meter, aber bei 4,65 zog ich wieder an der Bremse. Zum Abschluss lief 2:42,68 Minuten, was ich zum Glück auch mit abgebrochenem Gaspedal locker schaffe. Insgesamt kamen bescheidene 5443 Punkte und ein dritter Platz heraus. Gray Horn (University of Florida) gewann vor Michael Ayers (Georgia).

Warum rollt der Moritz im Moment nicht? Das ist eine gute Frage. Und wenn man Coach Roveltos Antwort anhört, dann liegt es ganz einfach daran, dass ich die Geschwindigkeitseinheiten im Dezember und Anfang Januar verpasste, dieser Wettkampf mein erster (!) Hochsprung- und Weitsprung des Jahres überhaupt war (also auch nicht im Training gesprungen) und ich einfach zu viele Sachen im Kopf umherschwirren habe… Dafür den morgigen Beitrag lesen!

Wildcat Invitational – Einspringen ist Nebensache!

Es war nicht das erste Mal, dass es im Einspringen zum Stabhochsprung einfach nicht klappen wollte, und dann “zack” klappt’s doch auf Anhieb beim ersten Versuch im Wettkampf. Da stellt sich mir die Frage, ob das ganze Rumgezappel vor Wettkampfbeginn total unnötig ist? Reichen nicht einfach ein oder zwei Anlaufkontrollen? Seine Tagesform kann man selbst eh nicht mehr ändern. Nach dem Ausschalten des Weckers hat man nur noch auf psychologische Aspekte des Wettkampfes Einfluss! Und selbst die sollte man besser in der Vorbereitungsphase, Wochen vor dem Wettkampf, trainieren. Videos, autogenes Training, wenn’s hilft auch Meditation… Falls die Psyche nur ein Quäntchen im Endergebnis ausmachen sollte, dann kann das immerhin den Unterschied zwischen 7999 oder 8000 Punkten ausmachen – und da liegt ‘ne verdammt große Welt dazwischen!

Wie dem auch sei, im Einspringen hatte ich das Gefühl, beim Absprung im Einstichkasten zu versinken, Absprung gleich Null, Arme tot. Was ist los? Ich bin doch fit, der Anlauf stimmt!?  Und gerade als ich meinen letzten Anlauf im Einspringen absolvieren wollte, schließt der Kampfrichter einfach die Anlage? Ist der denn doof? Will der mich veräppeln?

“Cleve? Entry height?”
“Ahhh… let’s try 4,30, I should do that, sure thing!

Erster Versuch, Anlauf, Einstich, drüber! Warum zappel ich vorher so rum und verbrauche wertvolle Energie für Großtaten? Im Eigengespräch vor jedem Versuch gab ich mir selbst nur die Worte “Rhythm, rhythm!” Rhythmus – die Quintessenz jeder technischen Disziplin. Die Milch im Shake, die Kartoffeln im Brei, das Rühr im Ei (hmm… nicht ganz). 4,45 m, erster Versuch, drüber. 4,60 m, im ersten wiedermal nachgedacht, Fehler! Zweiter, Rhythmus, drüber. Bei 4,75 m hielt mich dann mein Trainingsrückstand des vergangenen Dezembers auf dem Boden der Tatsachen, auch wenn diese 15 Fuß und 7 Zoll nicht unmöglich waren.  Trotzdem, mit 4,60 m kann ich für den ersten Stabwettkampf leben! Da sind noch einige technische Möglichkeiten, sowie zwei zusätzliche Schritte im Anlauf und zwei bis drei härtere Stäbe drin!

Eine knappe Stunde später ging’s über die Hürden. Die Zeit hab ich mit etwas Ausruhen und einem halben Powerbar-Schoko-Müsli-Eiweiß-Energieriegel sinnvoll nutzen können. Noch kurz 20 Minuten speziell aufwärmen und dann über fünf Hürden rennen. Ich verbesserte meine Saisonbestleistung von 8,27 s auf 8,24 s, nicht viel, aber immerhin verbessert, oder? Während ich auf Bahn 3 augenscheinlich dem Ziel entgegenhürdelte, stürme neben mir auf der vierten Bahn mein Teamkollege, Mantas Silkauskas in 7,80 Sekunden zu einem neuen K-State-Rekord! Congratulations!

Zum Abschluss, eine weitere Stunde später, lief ich mit drei anderen Kansas State Wildkatzen und einem Staffelholz aus Aluminium um die Bahn, um eine bisschen Spaß in der 4×400-m-Staffel zu haben! Schweigen wir an dieser Stelle gemeinsam über die Zeit und verraten nur, dass wir gewonnen haben. Zum Sonntag gab’s ein paar 100er auf dem Trainingsplan, um die Milch-säure aus den Beinen zu laufen.

Hoffentlich seid ihr auf das nächste Wochenende genauso gespannt wie ich, denn da geht’s richtig ab!

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