Die zwei Wochen meines Deutschlandaufenthalts sind vorbei und ich konnte die Zeit mehr als gut nutzen, indem ich drei wunderschöne Städte innerhalb von zwei Wochen besuchte, jedoch für sehr unterschiedliche Zwecke.
Von Wattenscheid ging es zunächst über Köln nach Marburg zur 17. Auflage des Thorpe Cups. Zum einen wollte ich natürlich helfen, die deutsche Mannschaft anzufeuern, zum anderen kamen viele meiner Freunde und Bekannten aus den USA nach Deutschland. Die Kansas State University war wohl die stärkste vertretene Kraft mit Coach Cliff Rovelto, Bettie Wade, Kasey Hill und Ryann Krais im Team der US-Siebenkämpferinnen und unserem “Athletic Trainer” Nobutaka Takashima, der die medizinische Seite der USA assistierte. Bei den Männern waren aus der Big 12 Conference Nick Adcock (Missouri) und Trinity Otto (Texas AM) mit dabei, ein stark aufkommender Miller Moss (Clemson University), Mat Clark (University of Northern Iowa), wie auch meine guten Freunde Joe Detmer und Chris Helwick, komplettiert durch Mark Jellison (die letzten drei starten nicht mehr für Universitäten). Die deutsche Zehnkampftruppe, die anscheinend auf dem Papier einen kleinen Nachteil hatte, war durch Rico Freimuth, Nils Büker, Matthias Prey, Simon Hechler, Patrick Spinner, Lars Niklas Heinke und Thorsten Margis vertreten.

Ein starkes TEAM: die siegreiche deutsche Mannschaft! - Bild: Kenny Beele (www.spofo.de)
Doch jeder weiß, dass die Gastmannschaft durch Jetlag und ungewohnte Umgebung immer einen Nachteil hat. Dazu kam im Falle der Amerikaner noch, dass viele der angereisten Yanks schon zuvor drei oder vier Zehnkämpfe in diesem Jahr absolviert hatten und der Thorpe Cup wahrlich nicht als der Höhepunkt angesehen wurde. Es wurde eine verdammt enge Schlacht, das konnte man schon nach dem ersten Tag sehen. Vor allem die deutsche Mannschaft zeigte sich positiv überraschend unglaublich geschlossen und konnte den so genannten “Team spirit” entwickeln, was man sonst nur von den Amerikanern gewohnt ist. Die Führung in der Teamwertung wechselte ständig zwischen den beiden Mannschaften und es kam letztendlich zu einem Showdown auf den 1500 Metern! Es war zwar schon klar, dass Joe Detmer, der eine Bestleistung von 4:05 min hat, uneinholbar sein wird, aber die Deutschen durften in der Gesamtwertung insgesamt nur etwa 20 Sekunden auf die fünf besten Amerikaner verlieren. Joe gewann erwartungsgemäß den 1500er und siegte in der Einzelwertung mit 8090 Punkten, aber alle warteten nur auf das Mannschaftsergebnis. Und auf einmal brüllte das Team der deutschen Athleten und Trainer los. Sie hatten mit 13 Punkten Vorsprung gewonnen – zum ersten Mal wieder seit 2001!
Am Montag nach dem sagenhaften Sieg des Zehnkampf Teams fuhr ich von Marburg nach Mainz. Es stand ein fünftägiger Stabhoch-Lehrgang mit Bundestrainer Herbert Czingon an. Es ging darum, Fehler in meiner technischen Vorstellung und Ausführung zu finden und diese mit gezielten Übungen zu korrigieren bzw. Übungen zu erlernen, die mir helfen werden, Fehler zu vermeiden. Schon in der ersten Stab-Einheit fanden wir einige Schwachstellen heraus und begannen, eine Auswahl von turnerischen Kräftigungsübungen zu erlernen, damit ich diese dann in Eigenregie in Amerika weiterhin in mein Training einbauen kann. Es ging gar nicht so sehr um das Springen auf Höhe, vielmehr um Kleinigkeiten, die im Wettkampf letztendlich höhere Höhen als bisher vermeiden.
An einem Nachmittag konnte ich mich auch noch mit meinem ehemaligen Westfalentrainer und gutem Freund, Manfred Kehm, treffen, der jetzt als Leitender Landestrainer von Hessen arbeitet. Nach einer Krafttrainingseinheit im Olympiastützpunkt Frankfurt ging es anschließend in ein japanisches Restaurant in Frankfurt, um die leeren Muskeln wieder aufzuladen.

Nach dem Training in der Sushi-Bar mit meinem ehemaligen Trainer Manfred Kehm
Das Besondere an meiner Mainz-Exkursion war, dass sich mit Herbert und mir zwei Neuburger getroffen haben, die sich natürlich auch über die Heimat an der Donau ausführlich unterhielten. Ich hoffe, dass wir schon bald Verbesserungen meiner Technik sehen können, eventuell schon in der kommenden Hallensaison.
Freitag ging es dann auch schon genau in diese Heimat zurück, allerdings nur sehr kurz, denn Samstag Vormittag brach ich zusammen mit meiner Mutter nach Budapest auf, um dort einen Kurzurlaub zusammen zu verbringen. Wir waren in einer privaten Pension eines sehr netten Ehepaars untergebracht. Natürlich bestaunten wir sämtliche Sehenswürdigkeiten, genossen die ungarische Küche und ließen die Seele baumeln. In Budapest traf ich außerdem noch meinen Teamkollegen Dezso Szabo und den Kansas State Rekordhalter und 8554-Punkte-Zehnkämpfer, Attila Zsivoczky.

in Budapest auf dem Burgberg mit Blick auf das Parlament