Goodbye Facebook

Es schwirren zu viele Dinge in meiner Umlaufbahn umher und ich kann leider nicht allen Leuten jeden Tag “hallo” sagen, nicht alle scheinbaren Neuigkeiten aufsaugen und nicht auf alles reagieren, was mir in die Quere kommt. Am 2. Januar 2011 stieg meine Freundesliste im größten Online-Netzwerk, Facebook, auf 1002 Leute an. 1002 Menschen, die mich kennen, gerne mit mir virtuell befreundet sein wollen oder einfach nur mal auf “hinzufügen” geklickt haben, weil ich mit 25 ihrer Freunde befreundet bin. Bei eintausend Personen fragt man sich schon ab und zu, ob das alles noch überschaubar ist. Um das Ganze etwas auszudünnen, wurde ich in der darauffolgenden Woche über 300 “Freunde” los, also Leute, die ich nun wirklich nicht kenne oder mit denen ich einfach nichts zu tun haben will. Das waren leider viele Fans, aber ich glaube, dass es nicht die richtige Plattform ist, um eine gesunde Kommunikation zwischen Fan und Athlet herzustellen. Unter diesen 300 waren auch Leute, die ich vielleicht nur einmal gesehen habe und dann wurde man eben kurz hinzugefügt oder man fügt jemanden selber zu seiner Freundesliste hinzu. Wer’s kennt, weiß von was ich spreche.

Wer’s nicht kennt: Facebook ist mit über 600 Millionen Benutzern das absolut größte Netzwerk der Welt. Man findet eine Menge Leute, die man kennt, kannte oder eben noch nie gekannt hat. Dazu kommen dann noch Bilder und Videos, Verlinkungen und Querverweise, Neuigkeiten von Stars und Sternchen, welches neue Auto gerade wie schnell gefahren ist, wer heute wo protestiert, warum, weshalb, wieso. Die Liste der Möglichkeiten scheint, endlos zu sein, und als PR Student ist es natürlich umso spannender, Facebook in einem größeren sozialen und kommunikationstechnischen Zusammenhang zu erfassen.

Doch es wurde zu viel. Beim Löschen von Leuten in meiner Freundesliste fiel mir auf, dass ich tatsächlich alle der 700 Leute kenne, die ich zum Schluss noch in der Liste hatte und dabei hatte ich ja schon ein paar gelöscht, die ich zwar kenne, mit denen ich aber nichts zu tun haben will. Siebenhundert – die ältere, nicht-Facebook-nutzende Generation ist in dieser Zahl noch gar nicht eingerechnet. Dabei bin ich mir sicher, dass mein Opa, falls er noch leben würde, auch auf Facebook gestoßen wäre und wir hätten uns virtuell als Familienmitglieder gegenseitig hinzufügen können. Wunderbar. Als ich im Laufe der letzten vier Jahre meine Freundesliste in Gruppen untergliederte, wurde es zwar übersichtlicher, aber es war immer noch relativ nervig. Ich hatte dann die Gruppen “Zehnkampf, PR, Wildcats (für K-Stater), DLV, Neuburg, Fans” und “sonstige”, um dann Gruppen vereinzelt im online-Chat ausschalten zu können. Wer sich jetzt in einer Gruppe wieder findet, dem kann ich sagen, dass “DLV, Fans und sonstige” so gut wie nie online waren :-) Too bad.

Gestern habe ich dann während der Analyse meines letzten Wettkampfs den finalen Schlussstrich gezogen und Facebook und 700 Freunden “tschüss” gesagt. Damit verliere ich zwar etwas an Aktualität und Informationen, aber gewinne meine Zeit zurück und lasse von jetzt an all die anderen 599.999.999 Facebook-Mitglieder die tägliche Verwirrung im Internet entwirren. Viel Spaß!

War ich echt in Südafrika?

…oder täusche ich mich? Es stand doch zumindest so auf leichtathletik.de und auch in der Fachzeitschrift “Leichtathletik”. Komisch, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann, denn der Presse zufolge war ich schließlich ganze vier Wochen, vom 1. bis 28. März, im wunderschönen Stellenbosch zusammen mit dem Rest des Nationalkaders, Bundestrainern, Physio, usw… Vielleicht habe ich auch einfach nur Gedächtnisschwund.

In Wirklichkeit war ich seit über drei Jahren in keinem Trainingslager mehr. Stattdessen befinde ich mich in meinem täglichen Trainingslager in Manhattan/Kansas, habe hier alles, was ich brauche und bin bei meiner Trainingsgruppe bestens aufgehoben. Morgens geht’s zum Krafttraining im optimal ausgestatteten Kraftraum der Footballmannschaft. Anschließend wird in der Vorlesung gleichzeitig gelernt, bevor es am frühen Nachmittag mit der zweiten Trainingseinheit des Tages weitergeht. Den krönenden Abschluss des Tages bietet eine Mischung aus Vorlesung, Studieren in der frisch renovierten Bibliothek der Universität und natürlich dem selbstgekochten, genüsslichen Abendessen nach “Deutscher Art” mit Zutaten der Region (meistens Walmart). Die Bezahlung meines täglichen Trainingslagers übernimmt natürlich die Universität, die mir einmal monatlich einen Scheck ausstellt, mit dessen Geld ich die Trainingslagerkosten in Form von Miete, Nebenkosten und Verpflegung bezahlen muss. Lediglich die Flugkosten von Deutschland zu meinem Trainingslager/Studium in den USA und zurück werden von meinen Eltern und mir bezahlt.

Ich sag euch bescheid, wenn ich mal wieder ein richtiges Trainingslager mache, aber es kann noch zwei Jährchen dauern bis es soweit ist. Die einzige Frage, die sich mir noch stellt, ist warum ich angeblich in Südafrika war. Kann mir das mal jemand erklären..?

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