Ich habe am letzten Wochenende bei der NCAA Championship in Des Moines/Iowa meinen letzten Wettkampf für die Kansas State University bestritten und bin im stärksten Zehnkampffeld der NCAA-Geschichte mit 7838 Punkten Achter geworden.

100 m in 10,94 Sekunden
Der Wettkampf hatte nicht nur leistungsmäßig alles zu bieten, sondern auch vom Wetter her gab es einige Überraschungen. So fing der erste Wettkampftag bei über 35 Grad im Schatten an und hörte im Regen auf. Die 110 m Hürden starteten am zweiten Tag wegen anhaltender Gewitter nach mehr als zwei Stunden Verspätung an. Laut NCAA-Regel muss ein Sportwettkampf unterbrochen werden, falls ein Gewitter im Umkreis von circa fünf Meilen herrscht. Das gilt auch für alle anderen Sportarten der NCAA (z. B. Football oder Baseball). Das Einzigartige an diesem Zehnkampf war, dass er nicht zwei, sondern drei Tage dauerte. Der Speerwurf wurde um etwa 20.30 Uhr unterbrochen und alle Athleten wurden zurück in die Aufwärmhalle geschickt, um dort vor dem Wetter geschützt zu bleiben. Um 22.30 brach die Wettkampforganisation alle Bewerbe an jenem Tag ab, um sie am nächsten Morgen nachzuholen. Laut internationaler Regelung gilt der Zehnkampf nicht für internationale Bestenlisten oder Qualifikationsmarken, da ein Zehnkampf an zwei aufeinanderfolgenden Kalendertagen stattfinden muss.

Wenn Wildcats fauchen...
Jetzt aber zum Sportlichen. Ich liebe heißes Wetter und so gelang mir gleich zu Beginn über 100 m mit 10,94 Sekunden eine schnelle Zeit. In der zweiten Disziplin, dem Weitsprung, patzte ich ein wenig und kam nicht über 6,78 m (Bestleistung 7,31 m) hinaus. Das kostete mich schon früh einige Punkte gegenüber meinen Mitstreitern. Ich konterte im Kugelstoßen mit neuer Stadionbestleistung von 14,41 m – die zweitbeste Weite meiner Karriere. Im Hochsprung überquerte ich 1,90 m ohne Probleme, scheiterte aber dreimal an der nächsten Höhe von 1,93 m. Das war das Minimalziel für die vierte Disziplin, womit ich allerdings nicht zufrieden war, zumal meine Konkurrenz im Bereich von 2,00 Metern sprang. Die Stadionrunde schließt wie immer den ersten Tag ab und ich legte die 400 Meter in starken 48,41 Sekunden zurück – nur zwei Hundertstel über meiner Bestleistung. Nach dem ersten Tag lag ich mit 3992 Punkten auf Platz 14, wobei ich einen soliden zweiten Tag anbieten kann. Das Ziel von 7900 Punkten, das ich mir vor dem Wettkampf gesteckt hatte, war noch durchaus erreichbar.

14,55 s im Regen und bei Gegenwind
Es regnete in Strömen und Gewitter verzögerten den Start des zweiten Tages enorm. Alle Zehnkämpfer versuchten, sich über drei Stunden hinweg in der Aufwärmhalle warm zu halten. Als es dann endlich keine Blitzeinschläge im näheren Umkreis mehr gab, wurden wir auf die Bahn geschickt. Ich lief auf nasser Bahn 14,55 Sekunden in einen leichten Gegenwind hinein. Die Zeit ist Akzeptabel, wenn man bedenkt, dass ich dabei fünf oder sechs Hürden umlegte. Ich ließ mit 41,78 m eine neue Bestleistung im Diskuswerfen folgen und schob mich auf Platz neun vor. Im Stabhochsprung setzte ich die Stabilität, die ich schon in der Hallensaison hatte, fort und meisterte 4,70 m mit Luft nach oben. Der Speerwurfwettkampf fing um 20 Uhr an und wurde eine halbe Stunde später wegen eines Gewitters unterbrochen. Ich warf das Gerät im ersten Versuch auf knappe 56 Meter, was schon eine neue Saisonbestleistung bedeutete. Athleten, Trainer und Kampfrichter verbrachten die nächsten beiden Stunden in der Aufwärmhalle, die sonst für Basketball und Volleyball genutzt wird. Um 22.30 kam dann die Durchsage, dass alle Wettkämpfe für jenen Tag abgebrochen wurden und am nächsten Tag fortgesetzt werden.
Nach einem Abendessen, das aus Chicken Wings und Pommes bestand, weil nichts anderes mehr aufzutreiben war, bekam ich noch eine Massage und ging schließlich um 1 Uhr nachts ins Bett, um dann um halb acht wieder aufzustehen. Der Speerwurf wurde um 10.30 Uhr vormittags fortgesetzt. Ich verbesserte meine Weite vom Vortag im zweiten Versuch um elf Zentimeter auf 56,09 m. Eine Stunde später liefen wir die abschließenden 1500 m, die ich total erschöpft und übermüdet in 4:30,46 Minuten herunter spulte.
In drei Wochen werde ich nach Deutschland kommen, um am 16. und 17. Juli in Ratingen beim jährlichen Mehrkampfmeeting an den Start zu gehen. Dort peile ich die 8000-Punkte-Marke an, die ich mit besseren Sprungleistungen sehr wahrscheinlich knacken kann.

1500 m bleiben 1500 m - auch am dritten Tag!